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awogfli

Awogfli - Bookcroc

Ich bin Buchgourmet und Buchgourmand quer durch viele Genres

Ein furchtbares schlechtes Machwerk

Unterwelt. - Don DeLillo, Frank Heibert

Ich bin ja sehr leidensfähig und breche ganz selten Bücher ab - das habe ich bei der Strudelhofstiege hinlänglich bewiesen - aber diese Qual war selbst mir zuviel. Da das Buch bei Seite 250 und nach Teil 2 sukzessive noch viel schlechter wurde, habe ich nun abgebrochen, möchte aber die Gründe darlegen:

 

Sprachlich extremes Herumgeschwurbele. Permanent wird dieses Baseball in die Handlung eingeführt als Spiel, als Ball, als gewichtiges historisches Ereignis und Erinnerung gleich dem Schuss auf Kennedy - was für ein Mumpitz.

 

Grottenschlechte Dramaturgie:

Erstens: Gedankensprünge und fehlende Bezüge in einem Absatz werden oft Satz für Satz bis zu vier Protagonisten nur mit Er bezeichnet.

Zweitens: Extreme Redundanzen - Vati ist schon gefühlte 20 Mal nicht vom Zigarettenholen zurückgekehrt - dies aber nicht nur von einem Ereignis sondern von mehr als 50 Ereignissen. Stellt Euch nun die Multiplikation der Wiederholungen auf Seite 150 nur einmal bildlich vor.

Drittens: Nur durch die ewigen Redundanzen erkennt man an den Er Bezügen jene, die gemeint sind.

 

Aber die grottenschlechte schriftstellerische Arbeit steigert sich noch weiter zur ultimativen Katastrophe. Der längerfristige Handlungsaufbau mutiert bis Seite 250 zu einem weiteren Waterloo. Es besteht nach ein paar Kapiteln keine Chronologie da auch Zeitsprünge inflationär eingesetzt werden. Zusätzlich zu den anfänglichen Gedankensprüngen wird nun auch noch viel zuviel Personal in die Geschichte eingeführt. Was daraus reslutiert, ist ein beknacktes Wirwarr an Leuten und repetitiven Handlungen, die völlig aus den Zeiten gefallen sind. Mein Hirn schaltete ab, alles war Brei: Marvin, Brian und wer auch immer und dieser verfickte (sorry) Baseball. Nur Nick habe ich mir gemerkt.

 

Mich hat die ganze Geschichte wie eingangs erwähnt an die Qual mit Doderer erinnert, aber zu Wien hatte ich wenigstens irgendeinen Bezug, was mich dranbleiben ließ. In dieser Amerika Story gibt es aber gar nix, was die Folter dieses schlechten Handwerks lohnt. Hey - das Leben ist wirklich zu kurz für so ein furchtbares Buch und meine intellektuelle Eitelkeit ist vor allem bei den meist prinzipiell überschätzten und viel zu sehr bejubelten amerikanischen Autoren (es gibt auch Ausnahmen) nicht hoch genug, um mir das anzutun.

 

Ich war so gelangweilt und wütend, dass mir schon wieder so ein Murks von den Kritikern als gute Literatur verkauft wird. Deshalb möchte ich mal alle dieser begeisterten Jubler des Feuilletons fesseln, anbinden und zwingen, das Buch vor meinen Augen WIRKLICH Satz für Satz bis zum letzten Ende fertig zu lesen, während ich dies bei Essen und einem Glaserl Wein auch tatsächlich kontrolliere. Denn so etwas tun diese Herrschaften meistens nicht. Sie lesen einzelne Kapitel und Absätze und wenn ordentlich gehirnwichst und geschwurbelt wird, fallen sie in die Elogien ihrer Kollegen ein. Weiters möchte ich diese angeblich so großen Literaten allesamt mal bei den Ohrwaschln (Ohren) packen, diese langziehen und wie unvernünftige und dumme Schulerbuben verpflichtend in ein professionelles Schreibseminar stecken. Damit sie endlich mal lernen, wie man wirklich einen Roman schreibt. Versteht mich nicht falsch, hin und wieder ein Bruch gegen die Regeln der Leserezeption finde ich kreativ und gut, aber gleichzeitig gegen alles zu verstoßen, was eine gute Geschichte ausmacht, ist nicht innovativ und künstlerisch, sondern nur Dreck. Ich lasse mir nicht gern Scheiße verkaufen und werde noch wütender, wenn mir diese von Kritikern als reines Gold angepriesen wird, das aber nur wirklich kluge, intellektuelle Leute verstehen können.