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awogfli

Awogfli - Bookcroc

Ich bin Buchgourmet und Buchgourmand quer durch viele Genres

Laber, laber, sülz, sülz

Emma - Helga Schulz, Jane Austen

Bedauerlicherweise muss ich Euch gestehen, dass ich schon wieder eine total berühmte Person des Schreibhandwerks und eine Schriftstellerin, die man angeblich gelesen haben muss, für mich persönlich total abmontieren und bösartig verreißen muss. Dabei geht es nicht darum, dass das Werk schon sehr alt ist und um die Sitten, als der Roman entstanden ist, denn eine der Bronte-Schwestern, die ich auch erst vor zwei Jahren gelesen habe, hat mir durchaus nicht schlecht gefallen (Ok die Brontes sind um eine Nuance jünger, aber wirklich nur marginal), sondern tatsächlich um die massiven Schwächen, die dieses Werk aus meiner Sicht aufweist.

Ich möchte mal kurz zusammenfassen:

In der Fadesse des Lebens in den Häusern der britischen Upperclass: Laber, laber, Sülz, sülz, viel Stolz, viele Vorurteile, nichtiges höfliches Geschwätz, dumme kindische Manipulationen und versteckter Zickenkrieg von Gänsen, der so versteckt ist, dass es die Beteiligten gar nicht mitkriegen und der nicht mal anatzweise einen Funken von Spannung aufweist, ein Pygmalion Projekt aber nicht im Sinne der Bildung, sondern dem einzigen Zweck geschuldet, eine Frau nach oben zu verheiraten, gähnende Hirn- und Geistlosigkeit der Gentlemen. Ein Anti-Enwicklungsroman, dessen einzige Entwicklung der Figuren darstellt, sich möglichst zu verheiraten, was auch überhaupt nicht spannend ist, weil in dem Ringelpietz der Reise nach Jerusalem leider nicht mal ein Sessel fehlt und somit jeder langweilige Topf auch seinen faden, öden Deckel bekommt. Was noch? Außer Missverständnisse, weil die Leute im Andeuten und interpretieren von Andeutungen auch noch gar so schlecht sind, keine einzige Handlung. Die vom Verlag auf dem Buchrücken versprochene Ironie konnte ich nicht mal mit einem Elektronenmikroskop finden. Dafür nimmt Austen ihre Figuren viel zu ernst. Schon komisch, wenn etwas grottenschlecht erzählt ist, dann wird es oft als Ironie und Satire bezeichnet.

Auch wenn das Werk alt ist muss es nicht so altbacken in der Handlung und der Formulierungsstil der Dialoge nicht so massiv gehirnerweichend daherkommen. Extrem viele Werke von der Antike bis zu Austens Zeiten hatten weit mehr Inhalt, Geschichten zu erzählen und auch besseren Stil.

Bei solchen Büchern wünsche mir ständig sehnlichst diesen Satz: "Und plötzlich ein Erdbeben (Meteorit, Tsunami... was auch immer) ..." der alle diese Trotteln endlich hinwegmeuchelt - ich will sie leiden und sterben sehen diese nutzlosen fiktiven Kreaturen!".

Fazit: Wie mir schon einige auf meinem Leidensweg durch dieses Buch versichert haben, das mit mir und der Frau Austen wird ebenso sicher zu meiner Lebenszeit keine Freundschaft mehr - aber eine weitere Bronte-Schwester werde ich mir mit Vergnügen noch zu Gemüte führen, damit ich auch wirklich mitreden kann. Ach ja den 2. Stern gibt es weil es gar so leicht und seicht war, dass es mich nicht ganz so nerven konnte wie andere Bücher und weil ich auf Grund eines Krankenhausaufenthalts so derart unter opiathaltigen Schmerzmitteln gestanden bin, dass ich alles etwas zu locker und fluffig gesehen habe.