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Awogfli - Bookcroc

Ich bin Buchgourmet und Buchgourmand quer durch viele Genres

Generation: Ich bin ein Star

Lucy fliegt - Petra Piuk

Vorab möchte ich gleich eine persönliche Befangenheitserklärung für diesen Roman abgeben: Ich bin zu alt für dieses Buch!

 

… Denn es ist in Jugendsprech geschrieben. Fehlende Verben und Präpositionen nerven mich sehr, vor allem wenn sowas niedergeschrieben ist. Aber was sage ich: ES NERVT MICH IMMER! Dabei muss bei mir nicht ständig alles total korrekt formuliert sein, und ich bin auch Verfechterin des Dialekts, aber diese Verkürzungen wie: „Kann ich ein Eis?“ (Was? haben? stehlen?) oder: „Ich geh Aldi“ (Was? Zu Aldi? Aldi ausrauben?) machen mich komplett wahnsinnig.
Gleich einer zwangsgestörten Deutschlehrerin, die berufliches von privatem nicht trennen kann, möchte ich permanent den Rotstift ansetzen und korrigieren, was meine persönliche Lesefreude gegen Null tendieren lässt.

 

Dabei ist dieser Stil selbstverständlich ur-authentisch, denn Lucy 23 kommt aus Wien Floridsdorf aus der Unterschicht und kann tatsächlich nicht anders sprechen, vor allem weil die Geschichte als innerer Monolog angelegt ist.

 

Inhaltlich thematisiert die Story sehr brilliant viele ernste Themen, mit denen junge Leute heutzutage konfrontiert sein können: Den Traum ein Star zu werden, um aus der miefigen Vorstadt und der Unterschicht rauszukommen, die Kritik an den Castingshows, die junge Menschen mit so einer Vision ausnutzen und diese wie ein Zootier quasi am Nasenring dem amüsierten Publikum vorführen, die vergeigte Ausbildung der Generation Z, die keinen Plan B zu ihrem relativ irrealen Traum hat, reich und berühmt zu werden, Mobbing in der Schule und vieles andere mehr.

 

Allmählich – je länger Lucy innerlich monologisiert – tun sich extreme Abgründe auf: Sexueller Missbrauch vom Stiefvater in ganz jungen Jahren und natürlich auch noch eine Co-Täterin, die eigene Mutter, die das Kind als Lügnerin abstempelt, machen bald klar, warum Lucy in der Schule auch ständig in Schwierigkeiten geriet. Sie manfestiert ihren Ruf als Schlampe erstens selbst, weil sie nichts dabei findet, recht wahllos Sex zu haben, ist aber auch permanent sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen ausgesetzt. Ein Teufelskreis aus sexualisiertem Verhalten von Pädophilenopfern – sie findet es ja schon nahezu normal, belästigt und vergewaltigt zu werden, denn sie verwechselt diese Untaten damit, beliebt zu sein – zieht sie immer tiefer in den Strudel als Opfer hinein.

 

Weiters wird auch angedeutet, dass Lucy an einer bipolaren Störung leiden könnte, was von den Burschen und Männern – was sage ich eigentlich – was von allen weidlich ausgenutzt wird.

 

Ihre Chancen auf echte Zuneigung und Liebe kann sie auch nicht erkennen und nutzen, am Ende ist sie nicht nur Opfer sondern auch ein bisschen Täterin, die vor allem ihr Leben versaut.

 

Fazit: Der Plot ist rasant und großartig. Wenn man über die furchtbare Sprache hinwegkommen kann, wird man die Geschichte sehr genießen. Ich konnte es leider nicht so gut.