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awogfli

Awogfli - Bookcroc

Ich bin Buchgourmet und Buchgourmand quer durch viele Genres

Rosemarys Baby - Guter Suspense-Thriller mit einem unfreiwillig komischen Ende

Rosemarys Baby - Ira Levin, Herta Balling

Die Sprache ist zwar etwas simpel, aber die Geschichte hat mich sehr gepackt. Ira Levin arbeitet über weite Strecken des Romans ganz großartig mit Suspense. Der Leser weiß (so er den Film nicht gesehen hat und noch nie was über das Buch gehört hat) bis zum letzten Kapitel nicht, ob all dieser Horror nicht der überbordenden Fantasie einer von Alpträumen geplagten Schwangeren entsprungen ist. Der Umstand, dass manche Frauen mit gesundheitlich problematischem Verlauf ihrer Schwangerschaft oft zu teilweise wahnhaften Hysterien neigen, ist ja auch psychologisch ganz gut erforscht, theoretisch hätte das Buch auch diametral entgegengesetzt ausgehen können und alles wäre nur ein böser Traum gewesen. Solch ein Ende hätte mir weit besser gefallen, vielleicht noch mit einem offenen Cliffhanger für den zweiten Teil - ein böser Blick, ein teuflisches Lachen.... irgendeines der Protagonisten - dass sich vielleicht alle trotzdem getäuscht haben.

Stattdessen wird dem Leser ein total peinliches teuflisch-esoterisches Ende serviert, in dem das Baby Hörner, Klauen und Schwänzchen hat. Mir ist schon klar, dass diese Entwicklung des Romans dem Zeitgeist geschuldet war, denn in den späten 60er und 70er Jahre waren alle Romane und Drehbücher nicht nur von Suspense sondern im Finale auch immer von kitschigen Horrorelementen geprägt - wie auch der Exorzist, Das Omen, Carrie, Shining und wie sie alle hießen und den Leuten standen während Diskussionen um Hexenzirkel, Teufelsanbetung und Alistair Crowley die Haare zu Berge. Solange dieser Horror nur subtil angedeutet wird und sich als Wahn im Kopf der Protagonisten abspielt, finde ich es gruselig-großartig, wenn aber dann wirklich Schwänze, Klauen und Hörner wachsen, muss ich immer lachen, da das ganze so grotesk ist. Und Lachen ist nicht gerade ein gutes Zeichen für einen Horrorplot.

Fazit: Ein spannender guter Suspense-Roman, der mich bis zum vorletzten Kapitel gepackt hat. Literarisch ist er kein großer Wurf, aber ein Pageturner. Er hat mich bis auf das Ende gut unterhalten und war im Finale leider unfreiwillig komisch.