51 Follower
91 Ich folge
awogfli

Awogfli - Bookcroc

Ich bin Buchgourmet und Buchgourmand quer durch viele Genres

Handlungsarmes Netzwerkgeplänkel mit privaten Petitessen

Der einzige Mann auf dem Kontinent - Terézia Mora

Da ich sehr handlungsarme Romane wie jene von Arno Geiger, die dem Leser nicht einmal eine substanzielle Aussage vermitteln, die aber sprachlich ziemlich großartig konzipiert sind, regelmäßig abstrafe, muss ich auch hier fair sein und sagen, die Geschichte ist n-e-t-t-t-t mit vier T ausgesprochen. Und das ist eine äußerst schlechte Beurteilung. Immer wenn ein Autor eine Autorin sein/ihr handwerklich hervorragendes Schreibtalent vor meinen Augen spazierenführt, mir aber keine Geschichte erzählen will und mir auch sonst nix zu sagen hat, fühle ich mich verarscht und werde ärgerlich.

 

Auch hier ist es so, die aufgeblähten großartigen großspurigen Beschreibungen können leicht auf einen 5-zeiligen Nukleus komprimiert werden. Netzwerktechnik-Verkäufer Darius, frisst, säuft, hat Sex und kommuniziert mit Arbeitskollegen und Kunden. Er verliert aus Unsensibilität und Rücksichtslosigkeit seine Frau und teilweise selbstverschuldet und durch äußere Umstände seinen Job. Er hat a bissi Troubles mit seiner Schwester und Mutter und dann ist da noch ein Karton voller Bargeld, der Kalamitäten verursacht. Welch eine Sensation (Ironie off).

 

Was mich zudem sehr genervt hat, ist der Umstand, dass ich die Netzwerktechnik-Branche von der Kundenseite her kenne, saß ich doch selbst einige Jahre im Einkauf von zwei Universitäten, die die Netzwerk-Komponenten von so Typen wie Darius mittels Ausschreibungen gekauft haben. Nicht mal der zugegebenermaßen gut beschriebene Job lockt mich lesetechnisch hinterm Ofen hervor.

 

Und dann muss ich mich als Leserin auch noch von der Autorin indirekt durch die Figur vorführen lassen.

" An dieser Stelle wünschte man sich, die Geschichte würde einen Sprung nach vorne machen und der Held sich unverzüglich daran, etwas zu tun. So auch Darius Kopp. In Wahrheit hat man dann noch den ganzen Sonntag vor sich. Es wird lang werden - genauso lang, nicht wahr - wie jeder Tag und wir werden dabei sein müssen."

 

Definitiv nicht witzig. Als Autorin hat man auch die Wahl, den Leser nicht mit jedem kleinen Furz des Tages zu konfrontieren und zu quälen.

 

Fazit: Ganz gut geschrieben aber sterbenslangweilig, für mich total verlorene Lesezeit.