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awogfli

Awogfli - Bookcroc

Ich bin Buchgourmet und Buchgourmand quer durch viele Genres

Langweiliges Blabla von "rüstigen" Senioren

Danke, ich brauche keinen Sitzplatz!: Das neue Tagebuch der Marie Sharp (Das Tagebuch der Marie Sharp, Band 3) - Virginia Ironside, Sibylle Schmidt

Was habe ich mir nur dabei gedacht! Ich wollte ein leichtes, witziges Buch von einer Autorin als Strandlektüre, und jetzt rege ich mich auf, dass dieses Tagebuch derart seicht und banal ist. Selbst schuld!

 

Dabei musste ich in mich gehen, was mich gar so gestört hat, denn normalerweise kann ich mit ganz banalen Alltagsgeschichten sehr viel anfangen. Bei mir muss es nicht immer Drama und Katastrophe sein.

 

Nach einiger Zeit kam ich dahinter: Erstens bedient die Autorin fast alle Klischees des aufgehübschten rüstigen Alterns. Die Figuren sind wie die Prototypen aus der Seniorenwerbung total heppy beppi eindimensional.

 

Zweitens gibt es im Plot eine doppelte überraschende Wendung mit einem zerstrittenen Ehepaar und dem darunter leidenden Sohn, die extrem unwahrscheinlich ist. Es hätte gereicht, wenn die Autorin Kommissar Zufall nur beim Zusammenbringen der Protagonistin Marie mit dem Ehemann Graham und dem Sohn Zac bemüht hätte. Das zufällige Treffen im Cafe mit der Mutter Julie war viel zu dick aufgetragen, bei so einer Entwickung geht die Wahrscheinlichkeit gegen Null.

 

Drittens: Meine Güte verplempert die Protagonistin Marie ihr Leben. Eine Geschwulst, die in Form eines Vielleicht-Tumors daherkommt, ist von Jänner bis Juli nicht mal im Versuch diagnostziert, weil Marie keinen Druck bei den Arztterminen macht, sondern lieber darauf wartend und ängstlich bangend den Kopf in den Sand steckt und sich in ihr Schicksal ergebend die Augen verschließend mit Warten auf die Arzt-Termine das Leben an sich vorbeiziehen lässt. Ein anderer hätte halt mal was in Gang gebracht, jemanden angerufen, angebrüllt oder einen Privatarzt bemüht- wir reden hier von 6 Monaten in denen nicht mal ein MR passiert. Diese Geschwulst geht mir überhaupt total auf die Nerven, denn wie eine eigene Figur taucht sie auf, bestimmt dann dreiviertel des Romans und verschwindet dann schwuppdiwupp plötzlich wieder, genauso wie sie gekommen ist. Das ist auch so eine total unwahrscheinliche Wendung, die mir gar nicht gefallen hat.

 

Fazit: Total laangweilig und entbehrlich dieser Roman in Form eines Tagebuchs. Ich empfehle ihn erst ab 80+ zu lesen, um sich dann zu freuen, dass man das Leben im Vergleich zur 66-jährigen Marie viel besser und mit mehr Tatendrang im Griff hat.