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awogfli

Awogfli - Bookcroc

Ich bin Buchgourmet und Buchgourmand quer durch viele Genres

Anarchie brutal

Parthenon: Roman - Christos Chryssopoulos, Theo Votsos

Dieser bereits 2010 erschienene Roman von Christos Chryssopoulos, der nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt, ist auf jeden Fall sehr einzigartig und äußerst ungewöhnlich.

 

Der Täter CH.K. sprengt die Akropolis bzw. IHN – den Parthenontempel – in die Luft und wütet und monologisiert gegen die Gesellschaft, die verlorene Ehre der Griechen und legt seine Motive dar. Dabei werden in einem atemberaubenden griechisch – anarchischen Manifest die Faktoren Terrorismus, Gesellschaft, Politik und Kunst zu einem philosophischen Konstrukt miteinander verknüpft und zur Rechtfertigung der Tat eingesetzt.

 

In weiterer Folge wird die Tat auch noch sehr lapidar, fast schon staubtrocken analytisch wie ein klassischer Kriminalfall mit Zeugenaussagen und Verhörprotokollen aufgerollt, der in einer kurzen und knappen Kriminalfallnotiz in der Hinrichtung des Täters durch die Ermittlungsrorgane gipfelt und in der Vertuschung dieser Vergeltungsmaßnahmen.

Ehrlich gesagt ist es mir glaube ich noch nie so schwer gefallen, ein Buch überhaupt zu bewerten, ich weiß noch immer nicht, welche Meinung ich dazu habe, denn es scheitert bei mir am Grundverständnis und auch am Hintergrundwissen für dieses Werk. Eines kann ich aber sagen, dadurch dass ich es einfach nicht verstehe, und ich so etwas nicht gerne auf mir sitzen lasse, hat mich der Roman von Chryssopoulos mehr beschäftigt als viele andere Werke.

 

Durch eine Recherche versuchte ich den historischen und philosophisch-anarchischen Hintergrund für dieses für mich atemberaubend wirre Manifest des Täters mit einer Verknüpfung von Kunst – Terrorismus und Politik zu erheben, die ich einfach nicht nachvollziehen konnte und bin auch auf den im Roman zitierten Dichter Jorgos V. Makris gestoßen. Leider habe ich auf Englisch keine Abhandlung über die Grundlagen dieses philosophischen Gedankengebäudes gefunden. Mehrere Feuilleton – Rezensenten verwiesen aber darauf, dass sich die Tat und der Hintergrund auf die griechisch anarchischen Ideen Mitte des 20. Jahrhunderts beziehen. Historisch spannend dürfte auch sein, dass der Roman schon 2005 begonnen und 2010 herausgegeben wurde und sowohl die Ideen des Terrorismus als auch die langfristigen Auswirkungen der Schuldenkrise auf die Gesellschaft Griechenlands fast prophetisch vorwegnahm.

Ansonsten ist zu sagen, dass der Autor seinen Täter sprachlich wirklich exzellent aber sehr selbstmitleidig und larmoyant, also doch sehr mühsam sein Manifest der Motive formulieren lässt.

In dieser Stadt gehört uns nichts, ein Sinn für Besitz ist nicht vorhanden. Nicht mal der Stolz für Ihn gehört uns. Wir leihen ihn uns aus. […]

Ich wollte nicht, dass man in mir einen Verbrecher sieht. Einen Wahnsinnigen. Es ist sehr wichtig für mich, dass meine Motive nicht missverstanden werden. Ich hatte nicht die Absicht, Böses zu tun. Ich wollte nicht zerstören, Ich verfolgte nicht den Zweck uns einer Kostbarkeit zu berauben. Es verlangte mich nur danach, uns von dem zu befreien, was als unübertroffen vollkommen angesehen wurde. Ich empfand mich selbst als jemanden, der ein Geschenk anbietet, einen Ausweg, eine Herausforderung.

 

Fazit: Dieser Roman ist sehr eigen, fast schon bizarr, nicht unspannend, vom Aufbau her recht dekonstruiert und philosophisch recht kompliziert und schwer begreiflich konzipiert – mehr vermag ich diesmal einfach nicht zu sagen.