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awogfli

Awogfli - Bookcroc

Ich bin Buchgourmet und Buchgourmand quer durch viele Genres

Brilliante Analyse einer parasitären Künstlerfamilie

Die Parasiten - Daphne DuMaurier

Auch ich habe diese Autorin zu Beginn unterschätzt, je mehr ich von ihr lese, desto besser gefällt sie mir. Du Mauriers Sprachfabulierkunst und die kurze, knackige, aber dennoch tiefgründige prägnante Skizizierung von Figuren ist außerordentlich - bereits auf den ersten 15 Seiten bekommt man fast eine tiefe psychologische Einsicht in Ihre Protagonisten, die sich von Seite zu Seite immer tiefer - fast in die Abgründe der Seele bohrt.  

Die Charaktäre und vor allem die Beziehungskonstellationen sind sehr spannend. Der Eklat mit den Parasiten steht zu Beginn des Plots: Charles der Ehemann von Maria schimpft Maria und ihre zwei Geschwister in einem Zornesanfall ziemlich unvermittelt als Parasiten. Anlässlich dieses sehr ernsten und emotionalen Ausbruchs reflektieren die drei Geschwister ihr bisheriges Leben, ihre Beziehung zu ihren Eltern, ihre eigenen Entwicklungen und die etwas krankhaften klammernden Beziehungen untereinander. Die Stimmung im Buch beginnt ein bisschen humorvoll und steigert sich nach und nach ins dramatische. Dabei werden die dramatischen Abgründe nicht sprachlich und plotmäßig bedeutungsschwanger von der Autorin konzipiert, sondern sind derart lapidar realistisch, dass sie umso gravierender wirken.

Die ganze Familie stammt aus dem Künstlermilieu (manchmal kam es mir so vor, als hätte ich den Haushalt der Albach-Rettys vor mir bzw. so wie ich mir diesen früher vorgestellt habe)  und ist derart rücksichtslos egoistisch und selbstzentriert gegen die gesamte Umwelt, dass einem manchmal wirklich die Spucke wegbleibt. Dieser sagenhafte Egoismus ist aber nicht aus einer absichtlichen Bösartigkeit geboren, sondern ist von massiv gedankenlosem Charakter, weil sowohl Eltern und Kinder von Anfang an ob ihres Talents den Applaus und die Ovationen des Publikums gewohnt sind, auch wenn sie nur privat agieren und deshalb meinen, sie könnten sich alles herausnehmen. Aus diesem Grund ist auch die Beschimpfung Parasit derart punktgenau gewählt, denn es liegt im Wesen, im Lebenszweck, in der DNA des Parasiten auzunutzen und das ist nicht mal absichtlich bösartig.  

Weiters thematisiert Du Marier einige topmoderne Themen wie die Selbstverwirklichung der Frau im Beruf, versus Aufopferung und Pflege der Familie bzw der Kinder. 68 Jahre hat dieser Roman schon auf dem Buckel und er liest sich momentan so modern und aktuell, dass es eine Freude ist, man merkt es nicht, denn diese Qualität ist zeitlos.

Die Erzählweise ist recht kurios und hat mir in diesem Fall aber ausnehmend gut gefallen. Normalerweise mag ich ja keine sprachlichen Manierismen um der stilistischen Eitelkeit wegen, aber wenn der Stil die Handlungen und die erzählte Geschichte unterstützt, dann bin ich begeistert.  Du Maurier geht von der Identifikation des Erzählers ab (wenn die drei Geschwister reflektieren, weiß man nie, aus welcher Sicht genau erzählt wird - sie agieren und erzählen als parasitäre Einheit). Dieser Stil beschreibt und manifestiert ja auch die psychologischen übergriffigen Beziehungen der Familie untereinander, in denen oft nicht klar ist, wo die eine Person aufhört und die andere beginnt.

Ein wundervolles detailliertes Psychogramm von fünf Personen: Charles, dem die rücksichtslose lieblose Distanziertheit seiner Ehe mit der gleichzeitig viel zu engen Beziehung seiner Frau zu ihren Geschwistern einfach irgendwann zu viel wird. Pappi, der seinen Kindern nie Grenzen aufzeigt und letztendlich wie ein Blutsauger seine Tochter Celia als Ehefrauersatz ausnutzt. Celia, die eigentlich auch ein riesengroßes künsterlisches Talent hat, aber nie etwas anderes gelernt hat, als sich von Pappi und ihrer Schwester Maria ausnutzen zu lassen und zu dienen. Die, als sie die Chance ergreifen müsste, es einfach nicht wagt, ihr Leben und ihr Talent zu nutzen.  Maria als Bienenkönigin des Egoismus in diesem Familienverband, die als sie endlich die Rechung präsentiert bekommt, aufsteht, ihre Krone richtet und lächelnd weitermacht. Und Niall der Zyniker, der eine viel zu enge fast schon krankhafte Beziehung zu seiner Stiefschwester hat und dem Talent und Geld immer in den Schoß fällt, das er aber nie zu nutzen weiß.

Das Ende von Niall war jetzt das einzige, das mir nicht so schlüssig vorkam, es passte auch nicht ganz so für seinen zynischen Charakter, dass er sich so duldsam in sein Schicksal ergibt. Wobei der Witz auf seinen Lippen in dieser Situation war eigentlich schon wieder grandios.

Fazit:   Eine absolute Leseempfehlung von mir: Modern, tiefenpschologisch ansprechend, sprachlich hervorragend aber unaufgeregt, ein bisschen humorvoll, ein bisschen Tragödie. Ein wundervolles Werk, das beschreibt, wie das Leben so spielt in einer parasitären Künstlerfamilie.