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awogfli

Awogfli - Bookcroc

Ich bin Buchgourmet und Buchgourmand quer durch viele Genres

Ironische Geschichte mit romantischem Schmalzabsturz zum Ende

Juliet, Naked - Nick Hornby, Clara Drechsler Harald Hellmann

Wie ich schon mehrmals in einigen Rezensionen erwähnt habe, halte ich Nick Hornby für einen großartigen Starter von Romanen, die wenigsten Autoren können so gut unvermittelt und auch mit ein bisschen beißender Ironie eine Geschichte beginnen, aber auch für einen der schlechtesten Finisher im Literaturbetrieb. Entweder er läßt gleich quasi die Tastatur fallen, oder er vergeigt den ursprünglichen Plot derart nachhaltig, dass es ein Graus ist. So wie es mein Goodreads-Freund Armin formuliert hat, agiert Hornby gleich seinen Figuren, die auch immer alles verpatzen, wobei eine Katastrophe am Ende in einem fiktiven Plot mit fiktiven Figuren ja wesentlich besser und amüsanter ist als ein realer Qualitätsabfall im Werk.

 

Auch bei Juliet, Naked ist es nicht anders. Sprüht die Geschichte zu Beginn vor Ironie und witzigen Beziehungsproblemen mit unerwarteten Wendungen und ist sie bis Seite 250 also hundert Seiten vor dem Ende noch gut und amüsant zu lesen, so strotzt sie nach dem Herzinfarkt (was für eine blöde Idee, es hätte 100 witzigere alternative Plotmöglichkeiten gegeben) nur so vor kitschigen Platitüden. Wie kann man bei einem so rasanten Roman eine derart sinnlose Vollbremsung machen! Fast könnte man meinen, der Geist einer grottenschlechten Bianca Schrifstellerin wäre plötzlich in Nick Hornby gefahren. Für alle, die das nicht kennen - das sind diese dünnen gebundenen Schundheftln, die früher als Frauenliteratur propagiert wurden.

 

Was für ein kitschiger Scheissdreck am Ende auf diese anfängliche wundervolle Ironie! Dem Herrn Hornby sind schlussendlich sprichwörtlich nicht nur die spitzen Zähne sondern gleich auch die messerscharfe Zunge rausgefallen. Damit der altersheimgerechte schale Brei aus Schmonzette für das gehinamputierte romantikaffine Publikum mit Realitätsverweigerung besser verdaulich ist.

 

Fazit: 2,5 Sterne aufgerundet auf 3 weil doch 250 Seiten sehr gut und nur 100 schlecht waren.