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Awogfli - Bookcroc

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Book2movie-Rezension des alten Schinkens

Rebecca - Daphne du Maurier, Karin von Schab

Schon zu Beginn baute sich eine schwierige Hürde für dieses Buch auf: Da ich den Film schon als Kind gesehen habe, konnte mich daher der Plot bedauerlicherweise nicht mehr überraschen. Aus diesem Grunde drängt sich eine Book2movie-Rezension nahezu auf und ist unvermeidbar.

 

Buch 3,5 Sterne wohlwollend aufgerundet auf 4

Die Hauptprotagonistin nervt ganz schön mit ihren ermüdenden Selbstzweifeln, der anstrengenden Unsicherheit und ihrer naiv romantischen Attitüde, aber sie ist derart authentisch und konsistent gezeichnet, dass es eine Freude ist. Leider sind die Zweifel des Charakters dieser dummen Gans und ihre schmalztriefenden romantischen Anwandlungen viel zu ausufernd beschrieben. Gottseidank steht ihr als Antagonistin gegenüber die verschlagene Haushälterin Mrs. Danvers, die grandios beschrieben ihre fiesen Spielchen inszeniert, man sieht sie förmlich hinter den Türen lauern. Die böse alte Vettel mit dem Totenkopfgesicht lässt Mrs. De Winter Numero 2 anlässlich des Balls so richtig grandios auflaufen - das ist herrlich. Max, der Mann dazwischen ist eher ein ambivalenter Charakter, der irgendwie gar nix checkt und hin und wieder brummig dahinspinnt.

 

Daphne Du Maurier hat die Hauptcharaktäre und auch alle Nebenrollen sehr liebevoll entwickelt und tief gezeichnet, leider hat sie bei der Handlung nicht so ein gutes Händchen bewiesen. Immer wenn etwas spannendes passiert, wird sehr schnell über das Ereignis hinweggegangen, und eher die entbehrlichen Gedanken und Kommentare der Mrs. de Winter fokussiert, die eh keiner mehr hören kann. Dieser Stilgriff nimmt dem gesamten Plot, der übrigens ausgezeichnet innovativ und grandios konzipiert ist, die Spannung, wenn alles aus der Sicht der naiven Gans beleuchtet wird, die ewig in ihren Zweifelen egozentrisch um sich und ihren Angebeteten kreist. Leider konnte ich natürlich die Überraschungen in der Handlung nicht mehr genießen, denn ich kannte ja die Geschichte schon durch den Film.

 

Die Sprache kann sich aber sehen lassen: Sehr stimmungsvolle Beschreibungen schon der erste Satz (sowohl im Buch als auch im Film) reißt einem vom Hocker.

"Gestern nacht träumte mir, ich sei wieder in Manderley....."

 

Der Schluss ist übrigens das größte Übel an diesem Roman. Da fackelt die fiese Haushälterin diesen alten Kasten Manderley aus Bosheit ab, und wenn nicht das vorletzte Wort des gesamten Romans Asche gewesen wäre, hätte ich gar nicht gecheckt, dass die Bude brennt. Wie kann man sich als Autorin nur ein derartiges, durch den Spannungsbogen selbst konzipiertes Ereignis, das man perfekt beschreiben und inszenieren könnte, entgehen lassen. Das ist handwerklich, schriftstellerisch, sprachlich und dramaturgisch einfach komplett idiotisch!

 

Film 4 Sterne wohlverdient

Grandios vom good old Meister Alfred Hitchcock umgesetzt. Schwarzweiss, wundervoll gemacht, a bissi Grusel, die Musik punktgenau inszeniert, Nebel, Dunkelheit etc. schaffen die perfekte Atmosphäre.

 

Durch das Genre Film wird der Cineast zudem von den entbehrlichen Gedanken der Mrs. de Winter 2 verschont. Klar sieht man durch die gute schauspielerische Leistung der Darstellerin, dass sie unsicher, naiv verliebt und von Selbstzweifeln geplagt ist, aber man muss gottseidank nicht das Innere in ihrem Hirn über sich ergehen lassen.. Mrs. Danvers der alte Drache klatscht übrigens den gesamten restlichen Cast an die Wand: so gut gespielt, das versteinerte Gesicht ohne irgendeine Muskelregung, die sanfte Stimme, herrlich. Die beiden Frauen bleiben im Gedächtnis haften, alle männlichen Rollen überhaupt nicht.

 

Und dann wurde auch noch die Handlung - im Drehbuch genau dort umgeschrieben, wo der Roman gravierende Schwächen aufwies. Der Mord war ein Unfall und das Ende wird wirklich auszelebriert inklusive lebendiger Abfackelung der Haushälterin im Zimmer von Rebecca. So geht ein Finale mit Paukenschlag! Das einzige, das ich mich die ganze Zeit frage: Als Kind hatte ich den Film wesentlich gruseliger in Erinnerung. Warum wohl?

 

Fazit: Wieder mal einer jener Fälle, die Buchliebhaber gerne verdrängen möchten, aber der Film ist einfach besser.