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awogfli

Awogfli - Bookcroc

Ich bin Buchgourmet und Buchgourmand quer durch viele Genres

Krimi Noir mysteriös bis mühsam

Die New York-Trilogie - Paul Auster, Joachim A. Frank

Die drei Geschichten schaffen eine perfekt abstruse fast französische Film-Noir-Stimmung, in der sich typische Rollen und Identiäten auflösen und sich alle Hauptprotagonisten mysteriös, obsessiv, verwirrend und völlig unlogisch verhalten. Soweit so gut. Die Kurzgeschichten sind in einer Trilogie aufgebaut, in der die Figuren auch in späteren Geschichten wieder auftauchen. Dieses Stilmittel könnte nun die Motive und Gründe für die obskuren Handlungen der Hauptfiguren klären, dann wäre ich wirklich begeistert gewesen, tut es aber nicht, im Gegenteil, es schafft noch mehr Verwirrung - nämlich so lange bis MYSTERIÖS zu MÜHSAM wird. Die Leute irren truffaultmäßig sinnentleert in ihren Obsessionen herum (selbstverständlich in typischer Trenchcoat-Schwarzweiss-Atmo), wissen überhaupt nicht warum sie was tun und ich will dem Autor zurufen "Oida Sacre Bleu! Wenn nicht mal Du weißt und mir erklärst WARUM, wie soll ich mir das aus den Fingern saugen?". Da hat sich meiner Meinung nach Auster davor gedrückt, ein konsistentes Bild seiner Figuren zu entwickeln.

Warum das Erstlingswerk dennoch als Sensation gefeiert wurde, kann ich durchaus verstehen. Das geniale Fabuliertalent des Autors ist nicht zu übersehen, die Ideen sind zwar grandios aber noch nicht ganz konsistent durchgezogen.

Nun zu den Geschichten:
Stadt aus Glas 4 Sterne
Herrlich! Wie in der ersten Geschichte der Reigen mit Identität & Beziehungen zwischen KrimiAutor, Pseudonym und seiner Hauptfigur eröffnet wird. Dann führt Paul Auster noch himself zuerst als Tarnidentität in den Roman ein, die alle 3 vorher genannten Figuren verwenden und zuletzt richtet auch noch der Schriftsteller Paul Auster als Figur in seiner eigenen Geschichte nicht unerheblichen Schaden an - Soo gut!!! Das Ende der ersten Geschichte ist dann ein bisschen unbefriedigend, erstens weil ich die unlogische Obsession des Schriftstellers nicht verstehe (warum läutet er nicht an oder bricht ins Haus ein, anstatt es monatelang zu beobachten & zu mutmaßen) und zweitens weil lose Enden bleiben, man weiss nicht was mit dem Ehepaar Stillman passiert ist.

Schlagschatten
2 Sterne
Was am Anfang noch als eine nette Spielerei mit den Namen der handelnden Protagonisten gelten mag (alle haben Namen von Farben) wird dann zunehmend verwirrend und letzendlich sehr mühsam. Auch hier können die Handlungen der Personen nicht nachvollzogen werden - mysteriös ist zwar wundervoll aber dumm sinnlos mysteriös? Auch hier blöde offene Handlungsstränge. Ich hasse das!!!

Hinter verschlossenen Türen
3 Sterne
Eine prinzipiell wundervolle Geschichte, die das Potenzial gehabt hätte, die Fragen nach den Motiven von 2 Figuren aus den vorhergehenden Geschichten zu klären. Leider drückt sich Auster vor einer Auflösung, da in der letzten Szene nichts erörtert, sondern alles in einem roten Notizbuch niedergeschrieben wird. Dieses wird zwar gelesen, aber die Hauptfigur weigert sich, seine Erkenntnisse dem Leser mitzuteilen, vernichtet das Notzibuch und läßt mich komplett im Regen stehen - So ein gemeiner, feiger, schreibfauler Schuft!!! (Autor o. Figur ist mir wurscht) deshalb strafe ich die letzte Geschichte mit dem Abzug von 2 Sternen ab.

Fazit: Ich habe das Gefühl, dass es sich Auster zu einfach gemacht hat. Das Buch hätte 5 Sterne Potenzial gehabt, wenn er sich in der 2. und vor allem in der 3. Geschichte mehr Mühe gegeben hätte: Figurenentwicklung Nicht Genügend. Sprachfabulierkunst und Atmosphäre ausgezeichnet